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2 Kommentare

  1. Henrike
    19. Mai 2012 at 01:27 | | Reply

    Ja UND: Nein.

    Ich dachte, ich äußere mich dann mal, weil meine Meinung doch etwas von deiner abweicht.

    Also, ja ich finde, dass der deutsche Förderalismus hie und da überholt werden sollte.

    ABER: Ich denke nicht, dass es darin begründet liegt, in welchem Verhältnis Sitzplätze im Bundesrat verteilt werden. Ich glaube, das würde dem Sinn des Bundesrats entgegenwirken. Wenn du nach Einwohner-Abgeordneten-Verhältnissen suchst, wirst du ja im Bundestag sehr fündig (Stichwort: Verhältniswahl!). Und dieses Bundes-Verfassungsorgan ist ja sowohl direkt gewählt und die Abgeordneten repräsentieren auch ihren Wahlkreis. (Zumindest theoretisch, denn im deutschen Parteienstaat herrscht ja fast immer eine strikte Fraktionsdisziplin; was ich persönlich auch gar nicht so schlecht finde, denn es stärkt eine differenzierte Parteienlandschaft… ok ich schweife vom Thema ab;) ) Der Bundestag hat dann auch dementsprechend mehr Kompetenzen als der Bundesrat. Dieser dient vor allem als demokratisches, förderales Gegengewicht. Und als solches sollten die einzelnen Länder bewusst nicht in ihrer Macht im Rat beschnitten werden. (Schau dir andere Staaten an, z.B. den US-Senat, da gibt es gar keine Gewichtung nach Einwohnerzahl). Wenn du hier ein Verhältnis ansetzen würdest, dann untergräbst du ja auch irgendwo förderale Prinzipien.

    Außerdem bin ich mir nicht ganz sicher, ob du mit diesem Artikel auch allgemein den Förderalismus (=absurd) infrage stellst?! Da würde ich dir entschieden widersprechen. Zum einen sind es natürlich regionale Unterschiede, die auch ein Staat als Gesamtheit berücksichtigen sollte. Viel entscheidender ist für mich aber auch einfach die Vielfalt als solche. Unterschiedliche Regierungskoalitionen (du hast es bereits angesprochen) können unterschiedliche Aspekte in ihre Regierungsarbeit einfließen lassen. Selbst in der “letzten Hoheit” der Bildungspolitik (nun ja Finanzhoheit über den eigenen Haushalt hat der Bund den Ländern auch noch nicht genommen;) ) halte ich den Förderalismus grundsätzlich für nichts schlechtes. Im Gegenteil Vielfalt und mittlerweile auch Wettbewerb (Stichwort: Pisa-Test) gibt ja zum Anlass eingefahrene Strukturen zu überdenken und das Bildungssystem zu verbessern. Auch wenn ich hierbei natürlich zugebe, dass ich mir zumindest einen vergleichbaren Abschluss (bundesweites Zentralabitur) wünschen würde. Aber mit dem Thema Bildungspolitik könnte ich allein mehrere Seiten füllen… Dass der Förderalismus als solches auch für uns Bürger von Vorteil ist, dazu gibt es ein paar ganz interessante Forschungsbeiträge. Kannst ja hierzu dir mal die Arbeit von Bruno Frey genauer anschauen: http://www.bsfrey.ch/articles.html

    UND DOCH: Da stimme ich dir zu, der deutsche Förderalismus sollte überholt werden, denn wie du auch schon festgestellt hast, beschränken sich die Kompetenzen der Länder immer weiter auf ein Mindestmaß. Praktisch hast du das z.B. daran bemerkt, dass du rein gar keine Probleme hattest die Fragen des Schleswig-Holstein-Wahl-O-Mats zu beantworten, da es kaum landesspezifische Fragen gab. Ich denke bei uns Bürger kommen die Vorteile des Förderalismus als solche nicht mehr an. Ich denke, es wäre an der Zeit diesen wieder zu stärken. Was kann man tun? Eine Option mit Blick aufs Ausland (ich bring mal wieder die USA an, aber da hab ich nun einfach schon einmal gelebt und weiß wenigstens in etwa wovon ich rede) zeigt sich im Senat, dh. dass die Landesvertreter auch direkt vom Volke gewählt werden. Dies hätte den Vorteil, dass der Bundesrat transparenter werden würde und wir als Bürger uns eventuell direkter mit den Abgeordneten identifizieren können. Bei unserem Parteienstaat sehe ich da aber bei solchen Wahlen wieder bundespolitische Interessen in den Fordergrund rücken. Also sollte man wahrscheinlich lieber direkt bei den Kompetenzen der Länder ansetzen.

    Auch die von dir vorgeschlagene Zusammenlegung der Bundesländer könnte dem deutschen Förderalismus gut tun. (Nicht nur unbedingt um Verhältnisse im Bundesrat anzugleichen!) Natürlich würden hierbei, wie von dir erwähnt, Steuergelder gespart, Bürokratieaufwand vermindert werden. Und hier das Beispiel meiner Heimat: Die Einwohner Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen wollen diese Annährung lt Meinungsumfragen sogar, im konkreten ein Bundesland “Mitteldeutschland”. Wirtschaftsinitiativen sind fast immer für den gesammten Raum angelegt, demnächst soll es für die Länder ein gemeinsames Zentral-Abitur geben, Rundfunk, Verkehrsgesellschaften, etc. -Sie alle arbeiten über die Ländergrenzen hinweg. Hier wäre eine Zusammenlegung mehr als sinnvoll…

    So das waren meine Gedanken zu später Stunde. Da ich leider nur darauf losgeschrieben habe und nicht so wie du recherchiert habe, gehe ich davon aus, dass mein Kommentar viel ungenaues, vll. falsches Halbwissen enthält. Ich bitte mir das nachzusehen;) und freu mich immer, wenn ich ich verbessert werde und dazu lernen kann. Vielleicht schaffen wir es demnächst einmal, das Ganze doch bei einem Kaffee (oder eben keinen Kaffee in deinem Fall) zu diskutieren;) Auf jeden Fall, war es ein interessanter Artikel von dir, mit interessanten Datenmaterial!

    Viele Grüße aus Halle,
    Henrike

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